Photoshop – der große Bilderbeschiss

Photoshop – der große Bilderbeschiss

Die Frankfurter Rundschau präsentierte dieser Tage in ihrer Online-Ausgabe einen netten kleinen Artikel über die Möglichkeiten, die Adobes mächtiges Bildbearbeitungswerkzeug Photoshop bietet, um kleinere und größere Korrekturen an Fotos vorzunehmen. Seit seinem ersten Erscheinen als reines Apple Macintosh Programm im Jahre 1990 hat Photoshop nicht nur das Berufsbild des Photoassistenten revolutioniert, sondern auch Bildbearbeitung für fast Jedermann erschwinglich und möglich. Früher lagen die ersten Versionen von Adobe Photoshop den damals sündhaft teuren Scannern bei, heute gibt es eine abgespeckte Photoshop Elements-Version mit vielen Digitalkameras dazu. Die unglaubliche Möglichkeiten-Vielfalt macht Adobe Photoshop zu dem Bildbearbeitungswerkzeug. Es gibt schlicht kein anderes, das ihm das Wasser reichen könnte. Es gab wohl auch nie ernsthafte Versuche von anderen Softwareherstellern, etwas ähnliches auf den Markt zu bringen. Microsoft Paint lassen wir da mal außen vor, weil es weder in Werkzeugauswahl noch in Anspruch den Ansprüchen genügt. Vor ein paar Jahren gab es da auch GraphicConverter, ein kleines Shareware-Programm, das das mächtige Funktion erweiterte, die offenbar vergessen oder für nicht so wichtig: im Grafikeralltag passiert es recht häufig, dass man Bilddateien in mitunter sehr seltsamen bis vollkommen unbekannten Bildformaten bekommt. Die Lösung, wenn Photoshop die Bilddateien fremder oder alter Computersysteme nicht öffnen kann, ist eben der GraphicConverter. Aber bis auf diese Alles öffnen können-Funktion hat das Programm so ziemlich alles dabei. Von Pickeln, die trotz Überschminkens beim Photoshooting noch sichtbar sind über Farbkorrekturen, wenn beispielsweise die Sonnenbadefotos am Saisonanfang gemacht wurden und die Haut der Models noch nicht so recht braun ist, geht einiges. Auch größere Manipulationen wie das Entfernen ganzer Bildbestandteile sind mit ein bisschen Fortgeschrittenenkenntnis möglich, es wird ja schließlich auch in Zukunft immer wieder Leute geben, die zwar nicht so enden müssen wie Leo Trotzki, aber mithin genauso unbeliebt sein werden.
Retuschiertes Auto

Retuschiertes Auto

Die Frage, die sich in all dem stellt, ist: wie glaubwürdig sind Bilder, wenn es ohne größere Vorarbeiten möglich ist, schnell und kostengünstig einen relativ guten Beschiss auf die Beine zu stellen? Wer soll noch den Bildern und ihrer vermeintlichen Beweiskraft Glauben schenken, wenn das Bild selbst von Laien manipuliert sein könnte? Wer soll dann noch einem Bildbeweis sein Vertrauen schenken? Wie groß kann dann überhaupt noch die Beweiskraft eines Photos vor Gericht sein, wenn es bereits von Amateuren mit verhältnismäßig leichten Mitteln so umfangreich zu verändern, dass die Manipulation auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist. Meine Fazit lautet: Bilder werden in Zukunft zwar noch häufiger vorkommen als vorher, schon allein weil jeder mit einem Smartphone in der Lage ist, schnell und unkompliziert eins zu schießen, aber deren Aussagekraft wird immer dünner, weil es eben so leicht ist, sie zu verändern.