Geklauten Content abmahnen

Viele Blogger geben sich richtig viel Mühe mit ihrem Beiträgen. Sie recherchieren, lesen lieber noch mal nach, bevor sie etwas posten und versuchen, ihren Artikeln durch gutes Formulieren und qualitative Berichterstattung den richtigen Schliff zu geben. Das ist die Art von Content, die man selber lesen möchte. Fundiertes Wissen welches vernünftig und verständlich dargebracht wird.
Dann gibt es noch die andere Art von Blogger, diejenigen, denen es egal ist, wie der Artikel zustande kommt, die eigentlich nur irgendwie Content auf die Seite bringen wollen, und zwar egal wie. Da passiert es auch gerne schnell mal, daß man sich einen Artikel schnappt und ihn ohne vorher um Erlaubnis zu fragen, veröffentlicht. Was aber tun, wenn man selbst der Beklaute ist?

Mir ist das selbst mal passiert. Ich hatte seinerzeit einen Artikel für Dr. Web geschrieben, den sie dort gegen Honorar veröffentlicht haben. Jahrelang war der Artikel Vom Strich zur Site, eine konzeptionelle Betrachtung, wie man eine Website hochzieht, auf der Website zu lesen. Ich hatte ihn schon fast vergessen, als ich mir überlegte, ich würde doch gerne mal für meine eigene Seite eine Liste dessen machen, was ich bislang als Webdesigner alles schon gemacht habe und, da ich den Artikel schon längst nicht mehr gespeichert hatte, fing ich an, zu googlen.

Zu meiner Überraschung fand ich meinen Artikel mehr als nur das eine Mal, und wunderte mich doch sehr. Da hatte ein Seitenbetreiber meinen Artikel doch einfach inklusive aller Abbildungen kopiert und unter seinem eigenen Namen ins Netz gestellt. Das wollte ich mir so nicht bieten lassen und habe einen Bekannten von mir, der Anwalt ist, gebeten, tätig zu werden.

Das Kopieren von urheberrechtlich geschütztem Material wie Fotos, Texte und Grafiken ist auch im Internet ein Vergehen, das strafwürdig ist. Mein Anwalt hat also dem Betreiber der Seite eine Abmahnung geschickt, zusammen mit einer Unterlassungserklärung. Diese mußte der Webmaster der Gegenseite unterschreiben und sich damit verpflichten, den Text von seiner Seite zu entfernen. Dazu mußte er mir für die unbefugte Nutzung meines Artikels eine Entschädigung zahlen. Weiterhin geht aus der Unterlassungserklärung hervor, daß ein noch heftigeres Zwangsgeld fällig wird, sollte er diesen Text in Zukunft noch einmal unerlaubt auf seiner Seite platzieren.

Um ehrlich zu sein, war ich etwas erschreckt über die Dreistigkeit einiger Leute, wie skrupellos einerseits geklaut wird, andererseits wurde mir aber dadurch auch bewußt, welches Ärgernis der Diebstahl von gesitigem Eigentum darstellen kann. Es sind nämlich nicht nur die Filmstudios, die unter den Raubkopierern leiden. Auch ich bin als Kreativer Mitglied der Verwertungsgesellschaften Bild-Kunst und Wort und ärgere mich über den Klau und über die Tantiemen, die uns Kreativen als Gruppe dann nicht mehr zufließen, obwohl wir dafür hart arbeiten.

Natürlich steht man sich als Abmahnender schnell als Buhmann da, weil man einer der Bösen ist, die den Kleinen ihren Spaß nicht gönnen. Es geht hier aber um mehr, als nur den kleinen Content-Diebstahl zwischendurch. Wo hört der hinnehmbare Diebstahl auf? Die Website, auf der sich mein Artikel wiederfand, wurde mit reichlich Werbeflächen gepflastert, die mit Sicherheit Geld einbrachten. Und wenn jetzt jemand auf die Seite des Content-Diebes geht statt auf die Seite von Dr. Web, die immerhin mal für meine schöpferische Leistung bezahlt haben, dann klingelt leise die Kasse im Hintergrund mit, und dieses Vorgehen gilt es meiner Meinung nach im Keim zu ersticken. Im Großen wie im Kleinen.

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1.422 mal gelesen seit 29. Dezember 2011

Ein Gedanke zu „Geklauten Content abmahnen“

  1. Aus juristischer Sicht MUSS der Abgemahne garnichts unterschreiben. Wenn er reagiert, wie seitens des Abmahnenden erwünscht, ist dies meistens zu seinen Ungunsten. Er ist deswegen gut beraten, zu antworten, eventuell einen Deal zu seinen Gunsten auszuhandeln, und zunächst einmal abzuwarten, was sonst noch passiert. (Das aus Sicht eines Kreativen, der ebenfalls abgemahnt hat.)

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