Die GEMA – Betrachtungen aus dem Ausland

Die GEMA – Betrachtungen aus dem Ausland

Von Gastautor Daniel Möller Wer schon seit einigen Jahren in London lebt, wie ich, der vermisst schnell einige schräge und unfreiwillig komische Eigenheiten Deutschlands. Man kann sich beispielsweise nur über die GEMA wundern, wenn man sich schon einige Monate nicht mehr daheim war und dann plötzlich von ihrer reformierten Gebührenordnung liest. Vielen Diskobesitzer in Deutschland, die von der Gebührenexplosion überrollt wurden, ist wahrscheinlich eher zum Weinen zumute. Club-Betreiber könnten in Zukunft beispielsweise jährlich 120.000 Euro zahlen, wenn sie bisher nur 26.000 Euro zahlen mussten, um Musiktitel abzuspielen. Für einige Clubs kann diese Reform wie ein Sargnagel wirken. Zur Berlin Music Week wurden Demonstrationen gegen die GEMA-Tarifreform angekündigt. Wenn man hier in London Briten und Zugereiste nach ihrer Meinung zu der deutschen GEMA-Debatte fragt, reagieren die meisten mit schierem Unverständnis. Den meisten ist nicht einmal bekannt, wie die britische Rechteverwertungsgesellschaft, die hierzulande die Künstler vertritt, heißt. Wenn man einige ältere Zeitungsartikel durchstöbert, erfährt man, dass aber auch die britische PRS for Music manchmal für ziemlich lustige Schlagzeilen sorgte. Vor drei Jahren berichtete die BBC darüber, dass die Verwertungsgesellschaft eine Ladenangestellte belangen wollte, da sie währen ihrer Arbeitszeit Lieder sang. Noch witziger ist vielleicht, dass eine Pferdebesitzerin, die ihre Pferde mithilfe von klassischer Musik zu beruhigen versuchte, ebenfalls zahlen sollte – man sieht also: in Sachen unfreiwilligem Humor steht das britische Pendant der GEMA in nichts nach. Der qualitative Unterschied zwischen beiden Gesellschaften liegt aber darin, dass die PRS for Music durchaus auch zurückrudert, wenn sie sich in besonders abstruse Fälle verwickelt hat, die für ein negatives Medienecho sorgen. Demgegenüber macht die GEMA den Eindruck, sich in einem Dauerkrieg gegen Internetplattformen, User und manchmal auch die von ihr vertretenen Künstler zu befinden. Seit im Jahr 2009 eine Einigung zwischen YouTube und der GEMA hinsichtlich der Bezahlung für das Abspielen von Musikvideos scheiterte, sind beide Institutionen einander Lieblingsfeind.  Dies ist vor allem verwunderlich, da YouTube es schaffte, sich in fast allen anderen Staaten mit den jeweiligen Rechtverwertungsgesellschaften zu einigen. Im Rahmen des derzeitigen Streits über die neue Gebührenordnung versucht die GEMA nun, mithilfe einer schon vor ihrem Beginn gescheiterten Imagekampagne wieder Boden gut zu machen. Im Angesicht der zu erwartenden Demonstrationen sie eine Email an die Mitarbeiter, die die zukünftige Kommunikationsstrategie vorgeben soll. Die Email kam unbeabsichtigt an die Presse und gibt den Gegnern nur weiteres Futter, um gegen die Rechteverwertungsgesellschaft zu polarisieren. Bezeichnenderweise bedauert die GEMA darin, dass „ein rechtliches Vorgehen“ gegen die Demonstrationen selbst im Angesicht falscher Behauptungen der Gegenseite „aufgrund des grundgesetzlich gewährleisteten Versammlungsrechts nicht möglich ist.“ Zudem plante die GEMA mit einem Backup-Team, dass die Diskussionen in sozialen Medien steuern soll, die Internetnutzer an den Laptops auf ihre Seite zu ziehen. Vor allem die GEMA-Jubelperser in Foren und sozialen Medien haben in der Presse für Unverständnis gesorgt. Es bleibt abzusehen, wie lange die Künster, um die es hier eigentlich gehen sollte, noch bereit sind, sich von einer solchen GEMA in einer solchen Art und Weise vertreten zu lassen.