Ich muß ja zugeben, daß ich mal ein erklärter Gegner der Serifen-Schriften war. Als ich anfing, meine ersten Schritte in der Typografie zu machen, fand ich die einfach blöd. Die Serifenschriften waren mir einfach zu altbacken, zu konservativ und auch überhaupt nicht hip genug. Als junger Mensch meint man ja, man müsste immer an der Vorderfront der Bewegung stehen – jung und modern gehören nun mal zusammen wie Rock und Roll. Totaler Blödsinn, wie ich jetzt weiß, aber damals gehörte das für mich einfach dazu, “moderne” Schriften zu verwenden. Und die Verwendung der Sans Serif-Schriften bedeutete für mich im Umkehrschluß, daß man die anderen Schriften, die vermeintlich alten, ablehnen mußte. Bis ich von erfahrenen Typografen ein paar Regeln empfing dachte ich ja auch, dass viele Schriften und Schnitte so was ähnliches wie Geschmack symbolisieren könnten. Und dass viel auch viel hilft. Ist auch Blödsinn, wie ich jetzt weiß.
Aber wie das nunmal so ist mit dem Überschwang der Jugend – später wird man etwas gesetzter und kann Dinge würdigen, die man vorher auf den Tod nicht leiden konnte. Besonders beeindruckt hat mich z.B. ein Vortrag des deutschen Typo-Papstes Günter Gerhard Lange. Er zeichnete unter anderem für ein Update der Fraktur-Schrift (*) der Frankfurter Allgemeinen und sprach sich vehement gegen eine Verteuflung dieser Schriften aus, oder gar gegen eine Gleichsetzung mit Nazi-Gedankengut. Im Gegenteil die Schrift, die wir heute als Fraktur kennen, war im Dritten Reich als Schwabacher Judenlettern verfemt. Und die Schriften, die für uns „moderne“ Menschen besonders nazi-mäßig aussehen sind wahrscheinlich sogar die, deren Verwendung durch Erlass von Hitler-Adjutant Martin Bormann verboten wurden (siehe hier).
Doch zurück zu den Serifen: oft liegt die Kunst auch im gekonnten Stilbruch, in der Verbindung von modernen optischen Elementen mit antiquiert scheinender Typo. Manchmal wiederum passen Serifenschriften besser als vermeintlich moderne Fonts. Weil sie erdiger sind, oft auch eine gewisse Seriosität vermitteln, durch ihre Geschichtsträchtigkeit und die Tatsache, dass wir diese Buchstabenart allein schon durch Lesefibeln und Schulbücher schon seit frühester Kindheit kennen. Typografen sagen, dass die von Laien schlicht als „Häkchen“ bezeichneten Serifen die Buchstaben miteinander verbinden und dadurch das Lesen erleichtern. Und wenn man sich einen Text mit verschiedenen Schriftarten ausdruckt und liest, wird man den Unterschied erkennen.

Mittlerweile bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass beide Schriftfamilien ihre Berechtigung haben und beide auch im werblichen Sinne gut zu verwenden sind. Es kommt alles auf die Einsatzbereiche an.

Bevor meine Typo-allwissenden Kollegen über mich herfallen: ich weiß auch, dass GGL auch sagte, daß es sich nicht um Fraktur-Schriften handelte, ich habe sie nur der Einfachheit halber so genannt.


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