Weithin unbekannt wenngleich für viele Bereiche der modernen visuellen Kommunikation kaum wegzudenken, ist der Einfluß des Typografen und Grafik-Designers Herbert Bayer. Seine konsequente Verwendung der Minuskeln und grundlegenden theoretischen Ansätze während seiner Zeit am Bauhaus in Dessau finden im heutigen Design ihre visuelle Entsprechung in diversen Corporate Design-Manuals.Der im Jahre 1900 in Österreich geborene Herbert Bayer kam 1921 als Student nach Dessau, wo er unter anderem Klassen von Paul Klee und Wassily Kandinsky besuchte. 1925 wurde als Leiter der neu gegründeten Werkstatt für Druck und Reklame berufen, wo er dann anfing, Dinge, die wir heute als normal voraussetzen, einzuführen. Dazu gehört die Verwendung der Deutschen Industrie Norm (DIN) für alle in der Bauhaus-Druckerei gefertigten Drucksachen. Als Lehrer war er mit für den geometrischen, asymetrischen Stil verantwortlich, den wir heute als „Bauhaus“ bezeichnen. So entwickelte er noch in Dessau die Bayer Universal-Schrift, ein Alphabet mit verkleinerten Großbuchstaben und Minuskeln in einem, sowie die Bauhaus-Schrift, die noch heute große Verwendung findet.

Nach seiner Zeit in Dessau schloss er sich dem Studio Dorland an, einer zu der Zeit expandierenden Werbeagentur. Dortsetzte er die Bauhaus-Ideen der Kombination von Wirtschaftswerbung mit Avantgarde-Kunst weiter fort. Er verband hierbei künstlerische Arbeit und industrielle Produktion in ganz neuen Gestaltungsprinzipien von Funktionalität und Klarheit. Diese neue Ästhetik war für die Arbeit des Studios Dorland prägend und brachte die Bauhaus-Ideen in die Alltagswelt der Deutschen.

Ungewöhnlich für einen Aktiven des Bauhauses und Avantgarde-Künstler ist Bayers Beziehung zum Dritten Reich. So entwarf er 1933 den Katalog der Ausstellung „Die Kamera – Ausstellung für Fotografie, Druck und Reproduktion“, deren Schirmherr Propagandaminster Joseph Goebbels war. Und auch für die Ausstellungen „Deutsches Volk – Deutsche Arbeit“, „Das Wunder des Lebens“ sowie zur Sommerolympiade „Deutschland„. Bis zu seiner Emigration 1938 war Herbert Bayer für NS-Auftraggeber tätig.

Die Gleichschaltung der deutschen Werbewirtschaft und die Unterordnung in die Nationalsozialistische Reichsfachschaft deutscher Werbefachleute NSRDW bedeutete natürlich auch für das seit 1930 von Bayer selbstädig betriebene Studio Dorland einen gravierenden Einschritt in die künstlerische Freiheit. So passten viele nationalsozialistische Werbevorstellungen nicht mit den vom Bauhaus übernommenen Gestaltungsprinzipien zusammen.

In Amerika machte sich Bayer dann einen Namen als Architekt, Skulpteur und Landschaftsgestalter. Darüber hinaus war er bis zu seinem Tod im Jahre 1985 als künstlerischer Berater für verschiedene Firmen und Institutionen tätig.

Kategorien: Typografie

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