Von Bergetappen und Diktatoren

Von Bergetappen und Diktatoren

Hat diesmal etwas länger gedauert, bis sich bei mir das Lächeln wieder eingefunden hat, daß ich mich aus vollem Herzen über alles und jeden lustig machen kann. „Man hat’s nicht leicht, aber leicht hat’s einen“, sagt man hier in Hessen. Die Lage ist desolat, obwohl alle Nase lang behauptet wird, daß es bergauf gehen soll. Wer sind diese Leute, die so etwas behaupten? Woher haben die ihr Wissen? Und außerdem: hat denn keiner von denen bisher die Tour de France geschaut? Da sieht man doch ganz eindeutig, daß die Etappen, die über die richtig hohen Berge gehen, nicht nur rennentscheidend sind, sondern auch die schwersten Etappen überhaupt sind. Ich weiß ja nicht, wie Ihr (oder für die formell Begeisterten unter Euch: Sie) das sehen, aber irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, daß es sich hier schlicht und ergreifend um einen Wettbewerb in ökonomischen Darwinismus handelt. Der Markt wird im Moment gerade komplett neu organisiert, allerdings mit dem Hindernis, daß die Entscheidungsträger in der Weltregierung, den international agierenden Kreditinstituten, absolut keine Ahnung zu haben scheinen, wie der Hase läuft. Und vor allem, daß es zwar die Kasse richtig klingeln läßt, wenn man einem Schwellenland einen Kredit in Höhe seines eigenen Bruttosozialproduktes gewährt, daß aber die „Brot und Butter“-Geschäfte mit den alltäglichen Kleinkunden wie Du und ich gemacht werden. Und wenn Du und ich keine Kohle über haben, um uns den einen oder anderen „Luxus“ wie Auswärts essen oder eine zweite Kugel Eis an einem Sommertag zu gönnen, dann fehlt den Banken auf die lange Sicht auch das Kapital, um es den afrikanischen Diktatoren für Waffenkäufe im europäischen Kaufhaus in den Rachen zu schütten. Es kann allerdings auch sein, daß wir Glück haben, und daß sich die Menschen diesen Unsinn nicht länger bieten lassen, und daß bald mal etwas passiert. In diesem Sinne, ich geh‘ schon mal in Deckung…