Nachtrag September

Nachtrag September

„Ich war letzte Woche in Berlin gewesen, um meinen Senf zu einem Prozeß zu geben, der meiner Meinung nach, völlig klar auf der Hand lag. Die Urteilsverkündung zu meinen Gunsten schien mir nur eine Formsache zu sein. Weit gefehlt.

Ich will hier jetzt keine Details von mir geben, weil das Ganze eben noch nicht ganz abgeschlossen ist, Sie könne aber schon jetzt darauf freuen, den kompletten Schriftverkehr hier onlnie zu lesen. Ein Beispiel in gelebter „“Wie man sich in einem Menschen täuschen kann!““…

Was mich aber wirklich niedermachte, war die Tatsache, daß ich für diesen Prozeß nach Berlin fahren mußte. Und dazu muß man wissen, daß Berlin schon damals, als ich acht Jahre alt war und dort lebte, ein Drecknest war. Schmutzig, vollgekotzt und beengt. Und obwohl der Mauerfall die Enge etwas gemildert hat, ist das Stigma das Ekligen irgendwie geblieben.

Was aber wirklich diesen Monat vollends unerträglich für mich macht, ist die Tatsache, daß ich jetzt bald Geburtstag habe und diesen Tag nicht leiden kann. Nicht daß ich so eitel wäre, und schwermütig über das Älterweden sinniere, sondern schlicht weil ich in den letzten Jahren mit den falschen Erwartungen an diesen Tag herangegangen bin und enttäuscht wurde. Und um nicht mehr enttäuscht zu werden, will ich mit dem vermaledeiten Tag nix mehr zu tun haben. Ich bitte daher von etwaigen Gefühlsbekundungen Abstand zu nehmen…“