Soziale Netzwerke als Kommunikationsplattform in der Politik?

Soziale Netzwerke als Kommunikationsplattform in der Politik?

von Gastautor Daniel Möller Im Rahmen der letzten Posts (Machen soziale Netzwerke uns zu Netz-Exhibitionisten? und Der Vodafone-Shitstorm) habe ich mich ja eher mit den negativen Seiten sozialer Netzwerke befasst . Ich habe einerseits die Gefahren, die sich für zwischenmenschliche Beziehungen ergeben, beleuchtet. Andererseits habe ich das Phänomen der Shitstorms thematisiert und gezeigt, inwiefern diese für Unternehmen zum Problem werden können. Shitstorms können indes auch Politiker und Parteien treffen – die Einflussnahme auf die Meinungen von Politikern (auch  „Governance by Shitstorm“ genannt) im Rahmen der Diskussion um Acta hat es gezeigt. Schon einfache Stellungnahmen einzelner Politiker zu kontroversen Themen können im Netz zu massiven Empörungswellen führen, wie verschiedene Medienberichte zeigen. Doch bei diesem eher negativ stimmenden Bild sollte man es nicht belassen. Auch wenn es immer wieder mal Spinner gibt, die das Internet dazu nutzen, um gegen unliebsame Personen zu hetzen, bieten soziale Netzwerke bisher noch nicht zu ausreichend ausgeschöpfte Möglichkeiten, um sich darzustellen und mit den Bürgern in einen Dialog einzutreten. Doch nutzen die Parteien diese Möglichkeit auch? Wer sich die Facebook-Seiten von CDU, SPD, FDP und den Grünen anschaut, sieht auf den ersten Blick, dass alle Parteien einen ähnlichen Ansatz verfolgen – sie nutzen das Netzwerk hauptsächlich, um Links zu den eigenen Websiten oder zu Interviews mit einem Politiker zu veröffentlichen. Einige Facebook-Nutzer bedienen sich der Kommentarfunktion dann leider zu oft nur, um über die jeweilige Partei oder über Politiker im Allgemeinen herzuziehen. Können die Parteien hier etwas ändern? Nutzen sie Facebook überhaupt angemessen? Wer sich die Seiten anschaut, sieht, dass alle vier Parteien Facebook einzig als Presseschleuder verwenden. Beispielsweise werden Links zu Zeitungsartikeln höchstens mit einem Beitrag im Post versehen, der oft nur ein Zitat aus dem Artikel enthält – man sieht, dass die Facebook-Auftritte mit dem kleinstmöglichen Aufwand unterhalten werden. Die Möglichkeiten, die sich im Rahmen von Facebook, Twitter und anderen Netzwerken bieten, werden gar nicht ausgeschöpft. Eine kürzlich in Österreich veröffentlichte Studie gibt wertvolle Tipps und weist darauf hin, welche Kommunikation auf Facebook funktioniert und welche nicht. Die Forschungsergebnisse, die sich in einem Beitrag des Wiener Standard nachlesen lassen, beziehen sich zwar auf Facebook-Auftritte von Unternehmen, sind aber ebenfalls mit Hinblick auf Parteien interessant. Wollen Unternehmen effektiv kommunizieren, dann sollten Posts am besten einfach und konkret sein. Laut Studie haben Foto-Galerien, Bilder und Umfragen das Potential, das Interesse von Nutzern an den Laptops zu gewinnen. Interessanterweise interessieren sich Facebook-User eher weniger für Links und Videos. Auch wenn Parteien weniger mit Fotogalerien aufwarten sollten,  können sie dennoch von dem Tip hinsichtlich der Umfragen profitieren.  Die Parteien könnten so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen ermöglicht es Facebook ihnen, durch die Kommentare von Nutzern, Stimmungen einzufangen und diesen das Gefühl zu geben, dass sie in den Meinungsbildungsprozess einbezogen werden. Zum anderen wäre dies eine Möglichkeit, um die Kommentare unter Posts besser zu steuern – wer um die Meinung gefragt wird, ist womöglich weniger motiviert, einfach nur banale Hasstiraden gegen Politiker loszulassen. Wer sich die Facebook-Seiten der Parteien ansieht, erkennt schnell, dass sie nichts zu verlieren haben – einen Versuch wären die Umstellungen wert.