Psychische Erkrankungen durch ununterbrochene Erreichbarkeit?

Psychische Erkrankungen durch ununterbrochene Erreichbarkeit?

von Gastautor Daniel Möller Mit Smartphones, Tablets und Netbooks verbinden wir gemeinhin Mobilität, Spaß und die Möglichkeit, immer und überall auf Musik, Filme und Fernsehserien zurückzugreifen. Im Alltag ermöglichen uns diese kleinen Geräte Entspannung und Ablenkung, wenn wir uns in den vollen Bus drängeln oder im überfüllten Arztpraxis-Wartezimmer Zeit totschlagen müssen. Zudem sind wir immer erreichbar – wir können überall mit unseren Freunden chatten und so relativ bequem Termine absprechen. Alles gut also? In der Freizeit ist es ganz klar ein Vorteil, immer erreichbar zu sein – im Rahmen der Arbeitswelt muss dieser Segen differenzierter betrachtet werden. Vor kurzem veröffentlichte das Wissenschaftliche Institut der  AOK (WldO) Forschungsergebnisse, die verdeutlichen, dass berufliche Flexibilität und umfassendere Erreichbarkeit bei Arbeitnehmern vor allem Stress erzeugen. Wie die Krankenkasse in einer Pressemitteilung verlautbaren lässt, leiden vor allem Arbeitnehmer, die auch außerhalb der normalen Arbeitszeiten arbeiten, unter psychischen Beschwerden. So sei die Anzahl psychische Erkrankungen der AOK-Versicherten seit 2004 um 40 Prozent gestiegen. Dies liege vor allem an der ständigen Erreichbarkeit der Arbeitnehmer. Die Studie fördert des Weiteren zutage, dass fast jeder zweite Beschäftigte ein Vereinbarung mit seinem Arbeitgeber abgeschlossen habe, die seine Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeiten regle. Das WldO geht in einer Pressemitteilung noch näher auf die Erkenntnisse des so genannten Fehlzeit-Reports 2012 ein. Für ungefähr ein Drittel der Befragten ist es nicht ungewöhnlich, berufliche Anrufe oder E-Mails außerhalb der Arbeitszeit entgegenzunehmen. Zudem nehmen 12,0 Prozent der Studienteilnehmer die Arbeit mit nach Hause und finden es schwierig, abzuschalten. Als Krankheitssymptome werden vor allem Erschöpfung (20,8 Prozent), Unfähigkeit, in der Freizeit abzuschalten (20,1 Prozent), Kopfschmerzen (13,5 Prozent) und Niedergeschlagenheit (11,3 Prozent) genannt. Was lernen wir durch die Ergebnisse, die die AOK nun veröffentlicht hat? Zum einen, dass es wichtig ist,  dass Arbeitnehmer die Vorteile neuer Kommunikationsmittel nutzen, um das Arbeitsleben flexibler und angenehmer zu gestalten – zu diesem Ergebnis kommt auch das WldO. Das Institut betont aber auch, dass Arbeitnehmer einen klar abgegrenzten Bereich benötigen, den sie ganz der privaten Freizeitgestaltung widmen können und in dessen Rahmen Tablets zum Spielen – und nicht zum Arbeiten – genutzt werden.