Machen soziale Netzwerke uns zu Netz-Exhibitionisten?

Machen soziale Netzwerke uns zu Netz-Exhibitionisten?

von Gastautor Daniel Möller Soziale Netzwerke haben unser Miteinander in den letzten Jahren stark geprägt – positiv, durchaus aber auch negativ. Im letzten Jahr haben wir im Rahmen der sogenannten Arabellion miterleben dürfen, wie Menschen Facebook und Twitter nutzten, um sich im Kampf gegen ihre despotischen Herrscher noch besser zu organisieren. Allseits wurde betont, dass auch die sozialen Netzwerke ihren Anteil an dem Demokratisierungsdrang der Menschen in den Diktaturen der arabischen Welt gehabt hätten. Zum Dank für die neuen Kommunikationsmittel verpasste ein Ägypter seinem Kind sogar den Namen ‚Facebook‘ – alles gut also? Ein Szenenwechsel hilft dabei, unsere Perspektive auf Twitter und die anderen Netzwerke zu erweitern. Der geneigte Zeitungsleser musste sich in den letzten Tagen fragen, warum manche Menschen so viel Privates über sich über das Netz preisgeben. Kirsten Stewart (von ihren Fans auch gerne K-Stew genannt) entschuldigte sich beispielsweise vor einigen Tagen öffentlich über Twitter bei ihrem Freund Robert Pattinson für einen Seitensprung – und sueddeutsche.de berichtete darüber. Es gibt auch aus der Welt de Normalsterblichen Beispiele, die belegen, dass Internetuser fast schon gedankenlos ihr Innerstes nach außen kehren, wenn sie sich in den sozialen Netzwerken bewegen. Jeder kennt die Facebook-Freunde, die dutzende von Selbst-Fotos posten, um so viele ‚Likes‘ und Kommentare wie möglich zu erheischen. Jeder hat auch einmal von den Mitmenschen gehört, die ihre Beziehungsprobleme, wenn auch verklausuliert, grundsätzlich im Rahmen einer Statusmeldung bekanntmachen müssen. Doch warum ist das so? Machen Facebook und Co. uns heimlich zu Narzissten oder machen sich Narzissten nur über Facebook besonders kenntlich? Die englische Zeitung ‚The Guardian‘ berichtete vor kurzem davon, dass voneinander unabhängige Studien zum ersten Mal einen solchen, wie auch immer gearteten, Zusammenhang festgestellt haben. Zum einen lässt sich beobachten, dass psychologische Tests bei Facebook-Nutzern, die besonders viele Freunde und Status-Updates vorweisen können, ergeben, dass diese auffallend häufig über eine narzisstische Persönlichkeitsstörung verfügen. Dabei  handelt es sich um die erste Studie, die belegt, was viele schon lange ahnten.  Noch lässt sich aber unsere Frage danach, wie genau dieser Zusammenhang genau aussieht nicht beantworten – machen Facebook und Co. erst narzisstisch oder leben sich vielmehr Narzissten besonders hier aus? Vermutlich lässt sich hierauf gar keine klare Antwort geben – mit großer Wahrscheinlichkeit ist an beiden Annahmen etwas dran. Fakt ist, dass Facebook – eine Plattform, die eigentlich dabei helfen soll, mit den Freunden in Kontakt zu bleiben – dem User sehr zu viel Raum gibt, um sich ausschließlich mit  sich selbst zu befassen. Fotos, Fanpages, Musik- und Fernsehgeschmack sollen dem  User die Möglichkeit geben, sich noch detailreicher darzustellen. Ob da noch Zeit bleibt, um sich mit Freunden zu treffen – in der realen Welt?