Naming und Branding von Krankheiten

Naming und Branding von Krankheiten

Was waren das noch für Zeiten, als Schuhe bei Schuh-Müller verkauft wurden. Oder einfach „beim Schuster“. Und die Wurst gab es „beim Metzger“, und nicht „bei Feinkost Sonst-Wer“. Heute heißen die Online-Händler wie Figuren aus Mozart’s Don Giovanni – Es sagt der Kammerdiener Yatego zu seinem Getreuen Zalando, er möge den Hengst Seiner Majestät satteln, das Roß mit dem Namen Evanzo. Oder hieß es nicht „Avanza“. Wer weiß… Und früher wurde die Gefahr einer Krankheit auch durch ihren Namen deutlich: Pocken zum Beispiel. Klang schon sehr furchterregend. Oder Krebs. Heute heißen die Modekrankheiten eher wie Modetrends – und dann auch noch total unsexy und sehr unspektakulär, sodaß man ihnen fast gar keine Bedeutung zukommen lassen kann. Schweinegrippe ist doch nur was für Schweine. Genau so wie die Vogelgrippe, an der wir ja auch nicht gestorben sind, von Vögeln kam. Oder vom Vögeln? Schweinepest klang da schon bedrohlicher. Einzig SARS, eine Abkürzung deren Bedeutung keiner kennt, weil der Name der Krankheit nie entschlüsselt wurde, bevor sie wieder in der Versenkung verschwand, klingtt bedrohlich. „Liebling, ich hab Schweinegrippe“ – impliziert, daß die Person die das sagt, irgendwie ein Schwein ist. Oder „Ich habe einen Fall von Vogelgrippe“. Da möchte man doch antworten „Kikeriki“. Aber der Satz: „Ich habe SARS“ macht irgendwie Angst…