Mobil bloggen

Mobil bloggen

Die Zeit wird immer kostbarer. Es ist wohl mit das wertvollste, was wir zur Verfügung. Anscheinend grenzenlos vorhanden, aber in der Situation nicht genügend da. Umso wichtiger scheint es geworden zu sein, in den Phasen zwischen zwei Terminen produktiv zu sein. Und die wenige Zeit besser zu nutzen. Wir leben in schnellen Zeiten. Schneller als noch vor vierzig Jahren. Schneller sogar als noch vor zehn Jahren. Heute rasen Emails und SMS Kurznachrichten in Nahezu-Lichtgeschwindigkeit durch Kabel und per Satellit, während noch Mitte der Siebziger Fernsehsatelliten etwas sehr außergewöhnliches waren. Hoch technisch und ein unglaublicher Fortschritt in der Kommunikation. Heute lockt das Niemanden mehr hinterm sprichwörtlichen Ofen hervor. Wir versuchen also produktiver zu sein, auch in den Zeiten zwischen zwei Terminen. Lesen die Zeitung auf dem iPad in der Bahn. Schreiben noch schnell etwas auf dem Laptop oder Netbook, das auf den Knien liegt. Las man früher im Bus Königs Erläuterungen, um sich über deutsche oder englische Hochliteratur zu informieren und noch schnell die Zusammenfassung fertig zuschreiben, so liest man das Ganze heute im iPhone nach. Es hat sich halt alles gewandelt. Aber brauchen wir das? Bringt es mehr Lebensqualität wenn wir per iPhone bloggen? Wenn wir unsere Arbeit auf dem Laptop erledigen, anstatt einfach mal auszuruhen? Ich denke nicht. Erste Untersuchungen von Arbeitsmedizinern haben bereits einen Zusammenhang zwischen der Zunahme an Burn Out-Erkrankungen und der gestiegenen Wochenarbeitsleistung festgestellt. Wir arbeiten offensichtlich alle mehr und erholen uns weniger. Und erkranken deshalb öfter. Was können wir gegen die Über-Beschleunigung unseres Lebens tun? Das Schlagwort Entschleunigung macht ja bereits seit geraumer Zeit die Runde, wobei aber kaum einer zu wissen scheint, was es genau bedeutet. Für mich ist die Bloggerei eher kreativer Zeitvertreib als Streß. Ich kann mich wunderbar dabei entspannen, wenn ich meine Gedanken im Zug zur Arbeit oder auf dem Nachhause-Weg kreisen lasse und dann ins Smartphone tippe. Für andere mag das ja eine Fortführung des Streß mit anderen Mitteln sein, für mich aber ist das Entspannung.