Wie uns Facebook und Google aushorchen können

Wie uns Facebook und Google aushorchen können

In den Zeiten von Web 2.0 vernetzen sich Personen, um damit gemeinsame Energiepotentiale freizusetzen. Mit Sozialen Netzwerken wie Xing oder Facebook kann man nicht nur lange verschollene Freunde wiederfinden oder neue Bekanntschaften schnell „durchleuchten“, sondern all seine virtuellen Freunde auch zu jeder Zeit über Aufenthaltsort und aktuelle seelische Lage auf dem Laufenden halten. Ich gehöre nicht zu den allzeit wachsamen Paranoikern, die hinter allem und jedem eine hinterhältige Gemeinheit des Staates und der großen Konzerne vermuten. Aber die Datensammelwut von Facebook und ihre ungeklärte Speicherung geben mir doch Anlass zur Sorge. Wenn ich heute bei Facebook poste, dass ich krank im Bett liege und Facebook verkauft dieses Wissen an eine Agentur, die aus solchen Angaben ein nachvollziehbare Profil erstellen kann. Der Grünen-Politiker, Malte Spitz, hat vor ein, zwei Jahren seine Handyortungsdaten mit seinen Meldungen bei Twitter und Facebook zusammengefügt und daraus ein nahezu lückenloses Aufenthaltsprofil von sich selbst erstellt. Angaben, die einem selbst als zu banal erscheinen mögen können von Datenprofis in der Art zusammengesetzt werden, dass man viel mehr über diese Person erfährt, als diese überhaupt meint, preisgegeben zu haben. Rabattkarten wie Payback oder die DeutschlandCard sind eine tolle Idee für Verbraucher. Die Vergünstigungen werden aber teuer durch Preisgabe sensibler Daten erkauft. Wenn z.B. eine Frau im Drogeriemarkt einen Schwangerschaftstest kauft und beim Bezahlen ihre Rabattkarte vorlegt, ist das zunächst nicht problematisch. Was aber, wenn das Unternehmen, welches die Rabatte verwaltet, die Information, dass Frau X sich überhaupt Gedanken über dieses Thema macht, an ihren Chef weiter verkauft? Bzw. diese Auskunft in einer Profildatenbank einsehbar macht und diese Datenbank gegen Geld zugänglich macht. So etwas ähnliches machen die Kreditauskunfteien wie Creditreform bereits seit Langem. wenn der Chef aus unserem Beispiel die Arbeitsplatzgarantie für seine möglicherweise schwangere Angestellte umgehen möchte, dann hätte er mit Sicherheit einen enormen Vorteil, wenn er zeitgleich mit ihr darüber informiert werden würde, dass die Frage Nachwuchs überhaupt anstehe. Wären es nur unpersonalisierte Rabattgutscheine, die man vorlegt, würde man als Verbraucher nicht so leicht ausgehorcht werden können. Ein anderes Beispiel wären die Daten, die wir alle freiwillig preisgeben, wenn wir etwas bei Google suchen. Die Sicherheitsbehörden interpretieren seit dem 11. September bestimmte Schlüsselwörter bei der Googlesuche anders als vorher. Wenn sie z.B. sowohl passionierter Kleingärtner als auch angehender Häuslebauer wären, würden sie sich nicht wundern, wenn sie sowohl nach billigem Kunstdünger als auch nach grundsätzlichen Konstruktionsmerkmalen der Statik suchen würden. Die Polizei hingegen könnte daraus folgern, dass diese Person eine Bombe bauen und damit ein Haus in die Luft sprengen will. Sowohl Google als auch Facebook übertreffen sich immer wieder mit ihren kostenlosen Internetdienstleistungen, mit denen sie den Leuten das Leben erleichtern wollen. Es finden sich aber kaum Hinweise, wie die Daten geschützt werden und ob sie an Dritte weitergegeben werden. Die Spionagemöglichkeiten beider Datenkraken sind vielfältig und können an dieser Stelle auch nur angerissen werden. Es stellt sich aber die grundsätzliche Frage, wie wir Verbraucher uns vor diesen Risiken schützen können. Da die Politik die Bedenken nicht teilt und darin bestenfalls eine Möglichkeit sehen dürfte, selber an Daten über die Bürger zu kommen, dürfte von dieser Seite wenig zu erwarten sein. Wer so dämlich ist, bei Facebook zu posten, er fliege morgen in den Urlaub, darf sich nicht wundern, wenn das Arbeitsamt das auch weiss und sich wundert, weshalb man sich nicht vorher abgemeldet hat. Auch das Finanzamt könnte sich für die IP-Adressen derer interessiere, die „Geldanlage“ und „Liechtenstein“ googlen und es dürfte nicht lange dauern, bis die Behörden neben geklauten Daten-CDs auch versuchen, legale Datenbestände von Google und Facebook zu erwerben.