Wie gründet man eine Existenz?

Wie gründet man eine Existenz?

Den Traum, sein eigener Chef zu sein, haben viele Menschen. Selber für alles verantwortlich sein. Den Gewinn nur mit sich selbst teilen zu müssen, den Angestellten sagen zu können, was sie zu tun und zu lassen haben oder auch nur selber zu bestimmen, wann man morgens, mittags oder auch abends mit dem Tagewerk beginnt. Das malen sich viele Existenzgründer sehr farbenfroh aus, ohne genau zu bedenken, was an diesem Schritt wirklich für ein Rattenschwanz an Verantwortlichkeiten oder Bedingungen dran hängt. Als ich mich Anfang März 2001 als Grafiker und Web-Designer selbständig gemacht hatte, geschah dies mehr aus der Not heraus als aus Überzeugung. Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt gerade von meiner damaligen Frau getrennt und brauchte einen Job, nachdem ich zuvor Erziehungszeit mit unserem gemeinsamen Sohn hatte. Kurzerhand machte ich mich selbständig, indem ich beim Finanzamt anrief und denen, diesen Umstand mitteilte. Damit war ich selbständig. Und was dann? Ich hatte ein paar Bekannte, die ebenfalls als Graphik-Designer tätig waren, die mir neben hilfreichen Tipps auch den einen oder anderen Auftrag rüberschoben. Das hat mich dann auch fürs Erste gerettet. Später hatte ich dann Kontakt zu einigen Agenturen, für die ich dann immer mal wieder was machte. Dazu kamen Aufträge, die an mich herangetragen wurden – Kannste nicht mal für meinen Chef ein Logo machen? oder Ich soll für unsere Firma eine Website machen, habe davon aber keine Ahnung, kannst du das für uns machen? So kam ich über die Runden. Man sagt ja, dass die eigentliche Belastung als Selbständiger die ist, dass man in Spitzenzeiten bereits Akquise für die Zeit danach machen muss, Eigenwerbung entwickeln und natürlich auchdie Weiterbildung nicht außer Acht lassen. Das habe ich meistens nicht geschafft. Weder zeitlich, noch inhaltlich. Meine Eigenwerbung sollte immer viel ausgeklügelter sein als sie es im Entwurfsstadium war, sodass ich viel Zeit mit Konzeption und Ausführung verlor, anstatt in den sauren Apfel zu beißen und einfach zu telefonieren. Mein Fleiß bei Akquise und Kundenbindung zeigte sich dann auch irgendwie. Seit nunmehr anderthalb Jahren bin ich nicht mehr selbständig, ein Umstand der mir viel Druck von den Schultern genommen, weil ich denke, dass man zum Existenzgründer geboren sein muss. Einfach nur kündigen und dann mal sehen, wie’s weitergeht, reicht nicht. Ich hatte Glück, dass es bei mir nicht in einer Katastrophe endete. Es hätte auch weitaus schlimmer enden können.