Was bewegt uns im Sommerloch 2012?

Was bewegt uns im Sommerloch 2012?

Egal wie wenig anderes da draußen in der Welt passiert, es gibt so gut wie nie eine Zeit ohne Nachrichten, die man nicht irgendwie damit füllen könnte, dass man die eine oder andere Sau durchs Dorf treibt. Und wenn man dafür die Sau erst selber züchten muß, damit man überhaupt eine hat. Das sogenannte Sommerloch ist für Journalisten wie Leser immer wieder eine schwierige Zeit, da man nie so genau weiß, worüber man sich unterhalten muß. Die schreibende Zunft muß irgendwie das Blatt vollkriegen und das Volk braucht etwas, über das es sich das Maul zerreißen kann. Doch worüber diskutiert man im Sommer 2012? Schon seit geraumer Zeit ist die Euro-Krise mithin das beherrschende Thema. Können die Griechen noch ihre Schulden bezahlen? Wenn nicht, woher bekommen die Griechen dann frisches Geld? Wer soll ihnen das Geld leihen? Et cetera. Aber die Frage, ob der Euro-Raum insgesamt zusammenbricht, oder ob Griechenland aus der Euro-Zone austreten soll ist für die breite Masse eher unspannend. Auch wenn EZB-Präsident Mario Draghi sagt, es sei im Staatsvertrag der EU-Länder nicht vorgesehen, dass ein Land aus dem Währungsverbund austritt, ausschließen kann man so etwas ja wohl nie. Massenmedien wie die Bild-Zeitung müssen diese komplizierten Sachverhalte dann halt etwas populistischer aufbereiten, um ihr Publikum überhaupt zu erreichen: Wer soll das bezahlen? oder Jetzt reichts! Man kennt die Springer-Schreibe ja bereits zur Genüge. Gott sei dank gibt es ja noch andere Themen, mit denen man Schlagzeilen machen kann, auch wenn die Regierenden und der Bundestag gerade Urlaub machen. Das Jahr 2012 ist glücklicherweise ein doppelt sportliches Jahr, das heißt der Sommer wird sowohl von Fußball als auch von den Olympischen Sommerspielen beherrscht. Zunächst konnten wir mit den besten Fußballmannschaften Europas mitfiebern, während sie in Polen und der Ukraine um die Europameisterschaft gekämpft haben, um uns dann nach einer kurzen Ruhephase den Olympischen Wettbewerben zuzuwenden. Nachdem wir uns über die beiden Tore von Mario Balotelli geärgert haben, uns am Tiki-Tika der spanischen Nationalmannschaft neidisch geschaut haben und über das erneute Elfmeter-Aus der Engländer gelacht haben war es aber dann auch genug: Spanier hatte den Titel als Europameister erfolgreich verteidigt und man hatte genug gesehen. Nun, da auch die Olympischen Spiele am kommenden Wochenende zu Ende gehen und wir als Zuschauer viele Stunden spannender Wettkämpfe in den unterschiedlichsten Sportarten vor dem Fernseher wie auch live am Internet verfolgen konnten, drängt sich die Frage auf, was nun das beherrschende Thema des Spätsommers werden kann. Der Selbstmord der Anna-Schauspielerin Silvia Seidel kommt da gerade recht. Über das Leid Anderer läßt sich immer vortrefflich mitleiden. Natürlich ist das schlimm, dass die Frau sich das Leben genommen hat. Sehr schlimm sogar. Aber das Geheuchel hinterher ist noch weitaus schlimmer. Hinterher will jeder ein Samariter gewesen sein, aber vorher nicht das Maul aufkriegen. Hinterher war die Bild-Zeitung schon imemr der Meinung gewesen, daß man den betroffenen Menschen mit Depressionen helfen muss, das es ja eigentlich eine unentdeckte Volkskrankheit ist und dass weitaus mehr Menschen betroffen sind, als man glaubt. Aber was tut man dagegen? Nichts. Überhaupt nichts. Hinterher das Maul aufreißen, mehr nicht. Wahrscheinlich wird vom Sommer genau soviel übrig bleiben: nichts, als ein paar Erinnerungen.