Ulai! Stadtmarketing mit Lokalkolorit in Gießen

Ulai! Stadtmarketing mit Lokalkolorit in Gießen

Neulich hat mich eine gute Freundin mit einem Button überrascht, den sie im Stadtbüro in Gießen gekauft hat. Kurze Anmerkung für die jungen Menschen, die die 80er Jahre mit den ganzen Buttons nicht miterlebt haben: Button, also Anstecker waren ein Kulturphänomen der achtziger Jahre, leicht subkulturell, aber immer trendig ganz weit vorne). Wie es scheint, beschreitet die Staft Gießen neue Wege in der Vermarktung ihrer Selbst und in der Tradition ihrer Wurzeln. Seit Erscheinen des Buches Tschü lowi…. Das Manische in Giessen von Hans G. Lerch sehen nicht nur die Gießener sich selbst mit anderen Augen. Man beginnt seither auch zu verstehen, daß das Manische, also die Kultur einer kleinen Gruppe, die sich über die Jahre über die Grenzen der Gruppe bis tief hinein in die Subkultur, gegraben hat, zu ihnen gehört, dass die Manische Sprache von früher auch heute noch lebt. Mit ihnen und ihnen. Ausdruck dieser wieder erstarkten Verbindung der mittelhessischen Stadt Gießen zu ihrer Subkultur ist die neue Kampagne des Stadtbüros: Buttons mit Aufschriften in manischer Sprache, die jeder der schon mal Kontakt zu dieser Sprache aufgenommen hat, erkennen wird: Moss (=Mädchen, junge Frau), Tschabo (=Mann, Kerl) und Mulo (=tot, kaputt).
Moss Button - Stadtmarketing für Gießen

Moss

Das Interessante an dieser Marketingaktion der Stadt Gießen ist nicht die Sprache, die verwendet wird, sondern das offensichtliche Bekenntnis der Stadt zu ihren Wurzeln. Hier wird augenscheinlich die Existenz von Zigeunern Sinti und Roma nicht verschwiegen, sondern man integriert sie als Teil der gemeinsamen Kultur. Waren früher nur Büchner, Röntgen und der allgegenwärtige Justus Liebig die Aushängeschilder der Stadt an der Lahn, so drängen sich nun immer mehr die subkulturellen Bestandteile Gießens in den Vordergrund. Und man läßt sie auch gewären. Das ist gut.