O2 will Bewegungsprofile der Kunden verkaufen – na und?

O2 will Bewegungsprofile der Kunden verkaufen – na und?

Seit gestern rauscht es ganz gehörig im Blätterwald: einerseits weil der Telekommunikationsanbieter Telefonica nun auch an der Frankfurter Börse gehandelt wird, andererseits weil das spanische Unternehmen angekündigt hat, zunächst in Großbritannien Bewegungsprofile ihrer Kunden an zahlungskräftige Interessenten verkaufen zu wollen. Hierfür wurde bereits eine B2B-Kampagne gestartet. Schon seit immer sammeln die großen Unternehmen Daten ihrer Kunden. Das ist eigentlich keine Nachricht wert. Was aber meiner Meinung nach an dieser Meldung bemerkenswert ist, ist die Tatsache, daß ein Anbieter wie Telefonica mit seiner Untermarke o2 offen mit der Sache umgeht. Vom Marketingsaspekt aus betrachtet, sind Bewegungsprofile eine lukrative Sache, um Werbung gezielt platzieren zu können und weniger Streuverluste zu erleiden. Aber seien wir doch mal ehrlich: wir haben es doch eigentlioch schon immer geahnt, dass diese Art von Geschacher und Gedeale vor sich geht, oder nicht? Kundenkarten wie die DeutschlandCard oder Payback und Rabattkarten von der Tankstelle oder jedem Supermarkt (Rewe, Real etc.) machen ja eigentlich auch nichts anderes, als die Einkäufe, die man macht, dem Kunden selbst zuzuordnen. Man wird dadurch viel durchschaubarer für die Unternehmen, und dadurch auch leichter anzusprechen. Die Werbung tröpfelt halt nicht mehr dahin, wenn man genau weiß, wer welche Interessen hat und welche Interssen vor allem nicht.  Betrachtet man es vom Umweltgedanken aus, können mit der viel gezielteren Ansprache des Publikums auch Kosten und Rohstoffe eingespart werden. Wenn ich nun denjenigen meinen Flyer zuschicken, von denen ich weiß, daß sie ihn überhaupt beachten werden, dann brauche ich natürlich auch nicht soviele drucken lassen. Ergo: weniger Verbrauch und weniger Kosten. Andererseits: wenn man das Ganze mal als kritischer Bürger betrachtet und sich fragt, ob man das überhaupt will, dass ein anonymes Unternehmen wie mein Supermarkt oder die Organisation, die dahinter steht, wie der Einzelhandelsriese Metro, weiß, was ich wann kaufe. Und zu welcher Uhrzeit. Und mittels meines Smartphones kann man mich ja auch überall und jederzeit orten. Plötzlich werden Szenarien möglich, die man sich vorher garnicht vorstellen konnte: beispielsweise ist man arbeitsunfähig und krank geschrieben und geht spazieren. Über die Daten, die Telefonica jetzt verkaufen will, werden Bewegungsprotokolle möglich, mit denen der Arbeitgeber sehen kann, ob man sich während man krank war, um ide Gesundheit gekümmert hat. Und zwar indem man schaut, ob man in der Apotheke anstand oder etwa längere Zeit im Reisebüro verbracht hat. Wenn man sich das alles zu  Ende vorstellt dann ist es eigentlicgh mehr als bedenklich, daß Telefonica diesen Schritt jetzt gehen will. Aber vielleicht müssen wir uns auch beim spanischen Konzern bedanken, denn durch ihre Offenheit kommt möglicherweise eine Diskussion in der Gesellschaft in Gang, die diesen Datenverkauf stoppen wird. Zur Not auch per Gesetz.