Moderne PR: Guerilla und Hoax

Moderne PR: Guerilla und Hoax

Public Relations, der Kontakt zur Öffentlichkeit, gehört mittlerweile für so ziemlich jede Institution, ob multinationaler Konzern oder kleine Ein-Mann-Klitsche zum Handwerkszeug. Während sich die Unternehmen früher entweder garnicht für ihre Kunden und die , die es laut Businessplan noch werden sollten, interessiert haben, oder sie nur als Zielscheibe für nichtssagende Werbung mißbrauchten, kann heutzutage keiner mehr ohne auskommen. Normalerweise betreibt man als Referent oder Pressesprecher einen Dialog mit der breiten Öffentlichkeit, informiert diese und beantwortet Fragen, die an das Unternehmen gestellt werden. Seit geraumer Zeit entwickelt sich die Kommunikation einiger Kreise zu einer beabsichtigten Nicht-Kommunikation oder Anti-Kommunikation. Man sagt nicht was man sagen will, sondern verpackt die Botschaft mehr oder weniger geschickt, indem man das Gegenteil behauptet. So jedenfalls berichtet Spiegel Online von einer Guerilla-Marketing Aktion der österreichischen Unternehmerjugend, die sich ausgerechnet dadurch von ihrem Image als Zigarre qualmenden Kapitalisten abgrenzen wollten, indem sie sich als Anarchos tarnten und so nebenbei die Presselandschaft der Alpenrepublik vor den Kopf stiessen. Als Bird Base priesen sie ein angeblich mit EU-Geldern veröffentlichtes Kafka-Schulbuch voller Rechtschreibfehler an, was natürlich als Skandal beklagt wurde. Auch bei der Sexschule vor den Toren Wiens wurde nur von Skandal gesprochen, es fragte sich jedoch niemand wer das behauptete und ob das überhaupt wahr ist. Ein peinlicher Fehler für die gesamte Journaille. Die Idee hinter dieser Aktion war es laut Spiegel die Diskussion bestimmter Themen in der Gesellschaft anzustossen. Bei der Sexschule, die angeblich auch schon 16-jährige hätte aufnehmen sollen, wäre es ja noch möglicherweise um das Für und Wider der Prostitution gegangen, aber wieso fehlerhafte Schulbücher? Rehabilitierung von Legasthenikern?Wer weiss. Einen anderen Weg beschreitet die Künstlergruppe The Yes Men, deren Subversives Handeln bereits in einer TV-Dokumentation nacherzählt wurde. Ihr bekanntestes Husarenstück ist mit Sicherheit der Auftritt als Abgesandte der Welthandelsorganisation WTO. Nicht nur dass sie ein fast gleichlautende Top Level Domain anmeldeten, um dort einen kompletten Schuldenerlass für die Dritte Welt zu propagieren, was einem Erdbeben gleichkommt, wenn alle denken, es sei die „echte“ WTO, die das sagt. Die Yes Men, die im normalen Leben mehr zum Freizeitlook tendieren traten in dunklen Anzügen als Vertreter der WTO auf, nachdem sie eine Einladung bekamen. Natürlich arbeiteten sie nicht an der Aufklärung dieses Missverständnisses mit. Das Interessante ist, dass mit solchen Aktionen, die These von Kurt Weidemann geprüft wird, wonach Kommunikation nicht das ist sei, was man sagt, sondern das, was die Zuhörer verstehen. Manche Zuhörer haben die subtile Anti-Botschaft nicht verstanden, aber das liegt natürlich an anderen Faktoren. Man tendiert als Zuhörer dazu, jemandem zu glauben, wenn dieser vorgibt jemand zu sein. Und das was dieser sagt, wird dann selstverständlich durch die Aufmachung des Mitteilenden beeinflusst. Es scheint so, als sei es mindestens genauso wichtig für die Rezeption der Mitteilung, dass sie von jemandem gesagt wird, der Glaubwürdigkeit und Autorität ausstrahlt. Mehr zum Thema: