Mein erstes Mal im Internet

Am heutigen Freitag schwelgt der Webmasterfriday in Erinnerungen und fragt die teilnehmenden Blogger, wie sie sich an ihre Anfänge im Internet erinnern, und wie ihr „erstes Mal“ im Netz war? Damals, Mitte der neunziger Jahre, als ich noch Praktikant war in einer klitzekleine En Mann Werbeagentur war, begenete mir das Internet zum ersten Mal. Zumindest hielt ich es seinerzeit für das Internet. Es war noch sowas in der Vorstufe, denn das Internet als solches gab es damals glaube ich nur über die Deutsche Telekom, die es an ihre vorsintflutlichen Dienste BTX (Bildschirmtext) und t-online anknüpfte. Man wählte sich also mit seiner für damalige Verhältnisse rasend schnellen Modem-Hardware ein und nach einer halben Minute von nervigen Piepsgeräuschen konnte man dann wie Boris Becker sagen: „Ich bin drin!“.

Der Mac Performa 475 und der LC sahen fast gleich aus, unterschieden sich nur leicht im Innenleben
Der Mac Performa 475 und der LC sahen fast gleich aus, unterschieden sich nur leicht im Innenleben

Aber das Netz, das einige wenige damals erlebten war überhaupt nicht mit der Erfahrung vergleichbar, die die Nutzer heute millionenfach jeden Tag machen. Der Hauptunterschied zu heute ist der, dass das Netz unglaublich langsam war. Normalsterbliche Internet-Nutzer hatten damals in der Regel eine maximale Geschwindigkeit von 56kb, wenn sie mit dem etwas schnelleren Modem unterwegs waren. Und selbst eine solche lahme Krücke kostete damals Aufpreis. Zum Vergleich: heutige DSL-Anschlüsse haben mindestens eine Verbindungsgeschwindigkeit von 1000Mbit, also gut das zwanzigfache. Und selbst mit dieser für unsere heutigen Ansprüche geringen Geschwindigkeit ist das Surfen eine Qual. Anwendungen, wie wir sie heute kennen und im Alltag nutzen, wie Facebook, Youtube oder Twitter wären bei einer solchen Geschwindigkeit kaum möglich. Das liegt daran, dass sich das Programmierverhalten mit den gestiegenen Geschwindigkeiten verändert. Heutige Web-basierte Anwendungen tauschen sich kontinuierlich mit dem Server aus und laden bei Bedarf Daten nach.

Das wäre früher kaum möglich gewesen, denn nicht nur war die Hardware an den Verbindungs-Knotenpunkte zu langsam, auch die Rechner, die man damals hatte, konnten die Anweisungen nicht so schnell verarbeiten. Nominell war das alles zwar schon digital, aus heutiger Sicht kommt es einem aber alles sehr, sehr analog vor. Dazu kommt der Aspekt des Neuen, der damals noch das Internet umwehte: das Internet war per se etwas Verwegenes, etwas unbekanntes und auch ein bisschen ein Freiraum für Spinner und Freaks. Die Normalität, die das Internet heute umgibt, gab es damals nicht. Heute spricht man vereinzelt noch vom Web 2.0, doch damals war das Web noch total unterentwickelt und bot den wenigen Nutzern weltweit noch nicht die Surf-Erfahrung, die es heute bietet: die oben genannten Anwendungen Facebook oder Youtube gab es damals nicht nur noch nicht, sondern sie waren noch nicht einmal ansatzweise konzipiet.

Die wenigen Internetseiten, die man sich damals mit seiner quälend Geschwindigkeit angucken konnte, sahen auch noch keinesfalls so aus wie heute. Bilder waren meist viel pixeliger als heute und wurden erst besser, als Adobe bessere Export-Tools in Photoshop 4 anbot (die heutige Version von Photoshop entspricht Version 14, es hat sich also in der Zwischenzeit einiges getan). Der Faktor Design spielte auf den meisten Internetseiten noch keine Rolle und wenn, dann waren es Seiten von Designern, also von Leuten, die sich von Berufs wegen mit dem ästhetischen Anspruch herumschlagen mussten. In dieser Funktion hab ich dann auch meine erste Internetseite Mitte 1997 erstellt: auf einer Apple Mac Performa 475, mit einem 56k Modem und natürlich auch mit dem furchtbaren grauen Hintergrund, den damals fast alle Seiten hatten. Es war eine großartige Zeit, eine Zeit für Pioniere.

Und was schreiben die Anderen?

4 Gedanken zu „Mein erstes Mal im Internet“

  1. Du weißt ja selbst aus gemeinsamen Nachhilfe-Tagen wie stark ich schon immer in Mathematik war. Ich glaub ich meinte dann wohl 1 MBit/s oder ist das auch falsch? Eigentlich meinte ich dann wohl 1000er DSL. Egal welche Einheit dahinter kam.

  2. 1000 MBit/s bei DSL? Wo gibt’s denn sowas? ADSL schafft bis zu 24 MBit/s (guckstdu hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Asymmetric_Digital_Subscriber_Line#ADSL-Normen), VDSL bis zu 50-250 (hängt stark von der Entfernung ab).

    Und 1000 MBit/s sind nicht 20-mal soviel wie 56kB/s, sondern ca. 20.000-mal. Aber die Zahl 1000 war ja falsch…

    Vergleicht man aber ADSL mit 24 MB/s und 56kB/s, dann kommt man auf einen Faktor von ca. 500, der nicht nur beeindruckender ist als die 20, sondern auch korrekter.

  3. Pingback: frankfutt

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