Kollektive Internet-Trauer als Selbstzweck

Kollektive Internet-Trauer als Selbstzweck

Die Meldung des Wochenendes: Soulsängerin und America’s last Top-Junkie Whitney Houston stirbt mit gerade mal 48 Jahren in Los Angeles, nur Stunden vor ihrem Auftritt bei der Grammy-Verleihung. Und kurz nachdem die Welt diese Nachricht vernahm kam die Internet-Gemeinde zusammen und all überall wurden Beileidsbekundungen gepostet. Was ich mich frage: wie echt ist die Betroffenheit der Internet-Gemeinde?Als vor Jahren die Ex-Prinzessin von Wales, Lady Diana, zusammen mit ihrem damaligen Boyfriend das Zeitliche segente, war das kollektive Heulen groß. All überall wurde getrauert, geschluchzt, wurde das Lebenswerk der Frau, die eigentlich nicht wirklich viel für die breite Masse getan hatte, gefeiert und in die höchsten Höhen gelobt. Damals gab es aber auch noch nicht das Internet, wie wir es heute kennen, als allzeit und überall verfügbares Medium, das jeden in die Lage versetzt, seine Meinung permanent zum Besten geben zu können. Im vergangenen Jahr starb die Nachwuchs-Sängerin Amy Winehouse, die neben ein paar nett geträllerten Liedchen auch nicht wirklich viel Bleibendes geleistet hat und schon da war die Trauer gefühlt größer und öffentlicher als bei Lady Di, weil anstatt still und leise in sich hinein zu heulen wurde Beileidsbekundungen und Trauermeldungen bei Facebook und Twitter etc. gepostet. Man wurde förmlich überschwemmtn mit einer Welle an „Ich bin traurig weil Amy Winehouse tot ist“-Posts. Kurz darauf verübt ein wirklich bestialisch zuschlagender Wahnsinniger eine unglaubliche Tat in Norwegen, der über 70 Menschen zum Opfer fallen. Und auch da trauert die Internet-Gemeinde mit Postings, kleinen Norwegischen Fähnchen im Profilbild und was nicht noch alles. Aber diese Toten sind anders als Amy und Whitney, weil sie vollkommen ungerechtfertigt und unerwartet waren. Wenn die Damen Winehouse und Houston unkontrolliert mit Drogen hantieren und über die Zeit ihre Körper schinden, dann ist es eigentlich nur logisch, dass sie irgendwann den Preis für ihren Lebenswandel zu zahlen haben. Die Toten von Norwegen wurden von jemand Anderem als sie selbst aus dem Leben gerissen und sollten deshalb auch nicht mit den Pop-Tussis in einen Topf geworfen werden. „Opinions are like arseholes – everybody’s got one“ sagt Clint Eastwood in einem seiner Filme. Ich denke, so ähnlich verhält es sich mit der Trauerei im Internet. Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, ob und wie er trauert, aber manchmal kriegt man wirklich zuviel von der Meinungsflut.