Greater than who?

Als Nachtrag zum Beitrag über das Werbe-Denglisch als modernen Idioten-Esperanto fiel mir neulich das nachfolgende Plakat am Frankfurter Hauptbahnhof auf. Wie im geutigen Werbe-Umfeld üblich findet sich auch auf diesem Plakat ein vermeintlich aussagekräftiger sogenannter Claim, der irgendwtwas über das Unternehmen, das sich damit schmückt aussagen soll. Allerdings tut er das nicht immer. Manchmal geht der Versuch, so richtig cool und international zu wirken, dermaßen in die Hose, dass man sich als Außenstehender echt wundern muß, ob da nicht jemand aus der Vorstandsetage gedacht haben dürfte, man könne Geld für die Werbung einsparen, wenn man die Praktikanten mal ran läßt.

Accenture-Plakat am Hauptbahnhof Frankfurt am Main

Accenture-Plakat am Hauptbahnhof Frankfurt am Main

Das vorliegende Plakat bewirbt die Firma Accenture. Was die genau macht bleibt leider im Dunkeln. Wahrscheinlich sind die Oberen bei Accenture so sehr von ihrem Laden überzeugt, dass sie annehmen, der Rest der Welt müsse doch wissen, was man dort genau bekommt. Das ist nämlich immer wieder so Problem mit Unternehmen, die das noch nicht so verinnerlicht haben mit der Markenbildung: man muss erst eine große Marktdurchdringung haben, bevor man es sich erlauben kann, Bestandteile der Werbebotschaft als gegeben vorauszusetzen und sie wegzulassen. Das kann man sehr schön an zwei ähnlichen Beispielen verdeutlichen: im Hamburger Raum gibt es eine Drogerie-Kette namens Budnikowsky, die nahezu überall in der Hansestadt Filialen haben. Wenn man als Ortsfremder nun nach Hamburg kommt und Menschen mit Tüten herumlaufen sieht, auf denen nur ein blauen Viereck mit der weißen Aufschrift Budni ist, dann weiß man im ersten Augenblick nicht, wer oder was Budni ist. Das macht aber nichts, weil Budnikowski so weit ich weiß nicht besonders expansiv agiert und die Gefahr, daß Menschen von außerhalb Hamburgs, außer auf Urlaub an der Elbe, so gut wie garnicht mit der Drogerie in Kontakt kommen werden.

Anders sieht es mit einer weiteren Drogerie-Kette aus. In Süddeutschland agiert neben dem Platzhirschen Schlecker noch die Firma Müller. Müller wie Meier oder Schmidt. Ein total banaler Nachname, der noch nicht mal irgendwas einprägsames hat wie Budnikowski oder Schlecker. Als nun Müller bei uns in Gießen, also sechzig Kilometer nördlich des “Weißwurstäquators”, in neueröffneten Einkaufszentrum eine seine ersten Filialen außerhalb von Süddeutschland aufmachte und in der Folge dauernd Leute mit deren Einkaufszaschen herumliefen, konnte man mit dem Namen zunächst auch nichts anfangen. Ein unspannendes Logo bestendend aus orangener Schrift aus weiß mit schwarzen Ornamenten, was verkaufen die?

So ähnlich geht es mir mit Accenture, von deren Existenz ich neulich am Hauptbahnhof erfuhr und die mir dadurch in Erinnerung blieben, dass sie einen unvollständigen Claim an ihren Firmennamen dranhingen: be greater than. Sei größer als. Größer als wer? Größer als die anderen? Größer als Jesus, so wie die Beatles?

So kommt also zu der Tatsache dass man beim Blick auf das Plakat von Accenture am Bahnsteig in Frankfurt nicht nur nicht weiß, was Accenture für Produkte oder Dienstleistungen verkauft, sondern durch ihren unnötigen Claim weiß man nicht mal, was sie wollen. Vielleicht hätte man da mal besser Profis rangelassen und nicht die Praktikanten.

 

 

817 mal gelesen seit 20. März 2012

Ein Gedanke zu „Greater than who?“

  1. Hallo,

    erstmal vorweg: ich finde deine Schreibweise ziiiiemlich gut. Und so lese ich auch Themen, mit denen man mich ansonsten nur mäßig begeistern könnte.

    Ich bin auch so eine, die den Dingen gern auf den Grund geht und oftmals Dinge hinterfragt, die von anderen nichtmals bemerkt werden. Manchmal steht man mit seiner Meinung oft alleine dar, weil die Leute es selbst dann nicht raffen, wenn man sie mit der Nase drauf stösst.

    Während ich deinen Artikel so las, kam mir ein Gedanke in den Sinn: die Werbung dieses Konzerns hat doch bei dir genau das erreicht, was vermutlich das Ziel war. Du machst dir Gedanken, hinterfragst und somit ankerst du den Firmenname in deinem Gedächtnis. Irgendwann taucht dieser Firmenname wieder in einem anderen Zusammenhang auf – in Verbindung mit aussagekräftiger Werbung – und du wirst sie bewusst wahrnehmen und sie im Unterbewusstsein als positiv bewerten. Denn schließlich ist sie dir bekannt = vertraut. Selbst wenn du sie als negativ bewerten wirst, hat das was Positives, denn du hast dich bereits daran gewöhnt und verinnerlicht. Eben, weil du nicht nur beiläufig konsumiert, sondern hinterfragt, dich damit auseinandergesetzt hast.

    Ich bin mir nicht sicher, entweder war es Daewoo oder Yahoo, die seinerzeit eine ähnliche Werbestrategie gefahren hatten. Noch bevor einer wusste, um was es geht, kannte jeder den Namen des Produkts.

    Sende dir liebe Grüße

    Steffi

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