Facebook – die neue Dot Com Blase?

Facebook – die neue Dot Com Blase?

Es ist ja schon alles Mögliche über Mark Zuckerberg und sein Produkt Facebook gesagt und geschrieben worden. Hollywoods Thriller-Spezialist David Fincher hat sogar einen Film über das Soziale Netzwerk gedreht, der ungefähr so spannend ist wie der Vorspann von „Sieben“. Befürworter preisen soziales Ringelpietzen als das „nächste große Ding“, als Revolution der zwischenmenschlichen Kommunikation, während die Gegner darin nur eine weitere Plattform sehen, auf der Leute ohne Präsenz belangloses Zeug schreiben, in der Hoffnung, jemand würde ihnen zuhören. Neben der ganzen Lobhudelei der Facebook-Freunde kommt natürlich irgendwann die Frage nach dem Geld ins Spiel. Der Spiegel berichtet in seiner Online-Ausgabe, dass der Börsengang von Facebook kurz bevor steht und gut 100 Milliarden Dollar bringen soll. Also genau so viel wie der Wert aller Aktien von Siemens, Thyssen Krupp, RWE und Lufthansa zusammen. Dieser unglaublichen Zahl stehen auf der anderen Seite lediglich vier Milliarden Dollar Umsatz gegenüber, weshalb man sich als gleich fragt, wo die Analysten ihren Optimismus hernehmen. Facebook bietet seinen eingetragenen Benutzern eine Plattform, um Kontakte zu knüpfen und diverse Dinge mit „Gefällt mir“ zu markieren. Trotz Gesetzlicher Verpflichtung hat der in Irland ansäßige Facebook-Ableger immer noch große Schwierigkeiten dabei, den europäischen Anforderungen Folge zu leisten und die Daten seiner Nutzer zu schützen. Wenn die Spezialisten in den glänzenden Türmen den Wert von Facebook mit 100 Milliarden angeben, dann womöglich nur, weil sie annehmen oder hoffen, dass der Social Network-Platzhirsch dieses Datenkapital, das seine Nutzer ihm so bereitwillig überlassen, in der Zukunft ummünzen kann. Wenn es dem Unternehmen mit dem weiß-blauen Logo gelingt, einen legalen Weg zu finden mit dem Unternehmen direkt diejenigen ansprechen können, dürfte das ein ähnlicher Durchbruch werden wie Googles AdWords und AdSense, die in kürzester Zeit den Online-Werbemarkt revolutioniert und damit aus der einstigen Suchmaschine einen Global Player gemacht haben. Sollte aber nichts wirklich innovatives kommen, steht auch ein Katastrophen-Szenario im Raum wie seinerzeit mit der Firma Netscape. Diese Mutter aller StartUps brachte den ersten Web-Browser heraus, den sie allerdings kostenlos vertrieb. Als das Unternehmen dann 1998 für über vier Milliarden Dollar in den Besitz von AOL überging, hätte man sich bereits fragen sollen, wie es sein kann, dass ein Unternehmen überhaupt so teuer eingeschätzt werden kann, wenn sie ihr Hauptprodukt gratis vertreibt. Zwei Jahre später waren dann auch andere auf diesen Gedanken gekommen und die Dot Com-Blase mit lautem Knall zerplatzt. Netscape wurde 2003 aufgelöst und ust heute nur noch als Erwähnung auf der AOL-Seite zu finden. Mal sehen, wo Facebook in zehn Jahren steht und wer sich in der Zwischenzeit die Taschen voll machen wird.