Geld verdienen: Stundensatz oder Tagessatz?

Geld verdienen: Stundensatz oder Tagessatz?

Die Frage, was sich mehr lohnt – Stundensatz oder Tagespauschale -ist nur auf den ersten Blick eine leichte. Schaut man nämlich genauer hin, dann sieht man, dass es sich bei dieser Unterscheidung um nichts geringeres handelt, als die Frage, ob man die Vorteile auf der eigene Seite behalten oder sie dem Kunden überlassen will. Freelancer haben es in der heutigen Zeit nicht leicht. Genau genommen hatten sie es noch nie wirklich leicht, liegen doch die großten Risiken der Berufsausübung auf Seiten der „Freien“, ohne dass diese wirklich gut mit Geld kompensiert werden. Als freischaffender Designer jeglicher Couleur muss man von den Honoraren, die man erhält nicht nur die Arbeitsmittel wie Computer oder Grafikprogramme (Adobe Photoshop, Illustrator etc.) anschaffen, sondern auch alle Kosten tragen, die man sich als Angestellter mit dem Arbeitgeber teilen würde: Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsgeld, Sozialversicherungsbeiträge usw. Ob man nun als freischaffender Grafiker oder Webdesigner für einen Festpreis arbeitet oder sich pro Stunde bezahlen läßt, sollte davon abhängen, wie man diese Kosten kalkuliert hat.  Es lohnt sich also vorher eine Aufstellung, z.B. in Excel zu machen, wo man alle Kosten zusammenrechnet und sich am Ende die Summe anzeigen läßt, die man mindestens erwirtschaften muss. Welche Kosten sind das? Als freischaffender Designer braucht man wahrscheinlich wie erwähnt einen Computer, ausgestattet mit den gängigen Programmen. Hinzu kommen die Kosten für Krankenversicherung, Renten- und Pflegeversicherungsbeiträge. Diese kann man als Grafiker oder Designer, Publizist und Künstler über die Künstlersozialkasse beantragen. Außerdem sollten noch Kosten für Fortbewegung (Auto, Busticket oder ähnliches) und Ausgaben für Aus- und Weiterbildung bedacht werden. Den dicksten Posten wird aber aller Voraussicht nach die Miete für ein Büro ausmachen, wenn man nicht wie viele Freie Grafiker und Webdesigner im Home Office arbeitet. Wenn man also alle Kosten berechnet hat und weiss, wieviel Geld pro Monat eingenommen werden muss, kann man der Ausgangsfrage widmen, ob man pro Stunde oder pro Tag abrechnet. Ich habe festgestellt, dass ich mit Stundensatz nicht nur besser fahre, sondern auch dass dann die Kunden effizienter mit meiner Arbeitskraft umgehen. Wenn der Kunde den Eindruck hat, er hätte einen sowieso schon für die Anwesenheit bezahlt, dann haben die meisten von ihnen auchkein Problem damit, einen auch mal lange auf wichtige Infos warten zu lassen. Die Extra Wartezeit ist ja bereits im Preis enthalten. Und dieses Verhalten der Kunden nervt. Rechnet man aber mit Stundensätzen ab, dann tickt die Uhr gegen den Kunden. Läßt einen der Kunde warten, kostet ihn das Geld. Steht man nur rum, dann muß das der Kunde, also die Agentur oder der Auftraggeber welcher Art auch immer, bezahlen. Das diszipliniert einerseits die Kundschaft, die dann versucht, effizienter mit meiner Arbeitskraft umzugehen, und andererseits versucht man dann auch selbst, wirtschaftlich mit der eigenen Arbeitskraft umzugehen. Es soll ja Leute geben, die können stundenlang in einer Agentur herumhängen und auch nach zwölf oder vierzehn Stunden meinen, noch genauso frisch und kreativ arbeiten zu können wie zu Beginn ihres Arbeitstages. Ich halte aber von diesen Aussagen nichts. Die geistige Fähigkeit, gut und effektiv zu arbeiten, läßt einfach nach.  Insofern finde ich Tagessätze auch falsch.