Es war doch irgendwie klar, dass sich ausgerechnet die Bild-Zeitung das Maul darüber zerrießen würde, wenn jemand wie Herbert Grönemeyer einen Titel für Poetik erzählt. Am Reformationstag hielt Grönemeyer im Rahmen der 6. Poetiktage in Leipzig eine Vorlesung vor geladenen Gästen und offenbarte dabei, wie er seine Texte schreibt.
Dass Texte schreiben manchmal etwas sehr schweres sein kann, weiß man ja aus diversen Erzählungen von Schriftstellern und Textern, die sich mitunter sehr schwer damit tun, ihre Gefühle und ihre Geschichten auf Papier zu bringen. Künstlerische Prozesse sind da manchmal sehr viel komplizierter als es nach außen hin scheinen würde. Wenn ein Künstler wie Herbert Grönemeyer dann also nach vorne tritt und erklärt, mit welchen teilweise unkonventionellen Wegen er seine reichen Metaphern findet, wie er zuerst nach Melodien sucht und dann mit einem banalen Text, der nur aus wild zusammengewürfelten Begriffen und Silben besteht, zu seinem Text findet, dann ist das sehr mutig von ihm.

Überhaupt ist Grönemeyer unbestritten seit Jahren einer der Protagisten der Lyrik in der deutschen Pop-Musik. Seine einfühlsamen Texte zum Tod („Der Weg“, „Bleibt alles anders“) und der Vergänglichkeit („Mensch“) stehen für sich und zählen zum Besten, was man seit langem in deutscher Populärsprache gelesen hat. Dass sich die Bild-Zeitung erdreist, seine Vorlesung zu kritisieren, zeigt nur was für ein Käseblatt sie doch ist. Da will man lieber nicht wissen, in welchem Zustand deren Redaktion ihre Headlines ersinnt.

Kategorien: Kunst

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